Können Sägen singen?
Wenn jemand aus Finnland kommt, noch dazu aus Jyväskylä in der mittelfinnischen Pampa, die Hälfte des Jahres als Schauspieler arbeitet, Jouni Salo heißt und dieser sich die zweite Hälfte des Jahres ausschließlich damit beschäftigt, wie er aus einer Säge Töne entlocken kann, die nach einigen Krümmungen des Sägeblattes richtige Melodien hervorbringen, dann können Sägen singen!
Jouni Salo hat diese Kunst so perfektioniert, dass er von Klassik über Jazz bis zu Heavy Metal alles auf diesem merkwürdigen Instrument interpretiert. Selbstverständlich hat er nach jahrelangem Üben die finnische Meisterschaft im Sägespielen gewonnen (gibt es wirklich und wird jährlich mit aller Ernsthaftigkeit ausgetragen). Die Säge ist übrigens ein handelsübliches Werkzeug, wie es in jedem Baumarkt erstanden werden kann und keine Spezialanfertigung.
Begleitet wird er dabei von Markus Pulkkinen, der mit akustischer Gitarre, Pump-Organ (eine Art Harmonium), Blockflöte und Fußshaker die Performance abrundet.
La Sega del Canto haben sich in Finnland einen Kultstatus erarbeitet, spielen auf großen Festivals, aber auch in Bars, Fußgängerzonen, bei Filmfestivals oder für das finnische Fernsehen.
Das sagt www.nordische-musik.de zu La Sega del Canto
Album: Das Kekkonen
Finnische Musik verfügt gewöhnlich über viel Humor, und zwar reichlich krausen. Insofern repräsentieren La Sega del Canto – bestehend aus J.J. Calo, Y Sauros und M. Hulkki – ihr Heimatland perfekt, denn eine dermaßen eigenbrötlerische Mixtur aus Kinderlied, Pop-Romantik, Jahrmarkt-Träumerei, Oper und clownesker Melancholie kann einfach nur in Finnland wachsen.
Calos »singende Säge« streicht wie ein heulender Wind durch dunkle Gassen, begleitet von akustischer Gitarre, Pump-Orgel, Ziehharmonika, Blockflöte und Fußshaker. Dass dabei manches musikalisch sehr vertraut klingt – das putzige Kinderlied »Oravanpesä« (Eichhörnchen-Nest) etwa erinnert an »Norwegian Wood« von den Beatles – vergrößert das Hörvergnügen nur. »DAS KEKKONEN« entpuppt sich übrigens als »Spezialausgabe« des Debüt-Albums, angereichert um vier Live-Bonustracks – darunter wunderbare Covers von »Caravan« und »My Way«. (peb)
Album: Light Metal Music
»So lange ich mich erinnern kann, war ich deprimiert« – mit diesem Kommentar startet die zweite CD des Duos. Mit singender Säge und Pumporgel als Hauptinstrumente inszenieren J.J. Calo und Mr. Pulp eine »great collection of finnish depressions«, so der Untertitel. Man fühlt sich an die tieftraurigen Charaktere von Tim Burton-Filmen erinnert, wenn die zwischen Melancholie und frisch erwachtem Lebensmut taumelnden Stückchen ein Leben am Abgrund offenbaren.
Und man gewinnt ihn im Laufe des Albums richtig lieb, diesen bedauernswerten Tropf vom Anfang, der uns vom Misserfolg im Job erzählt oder dass seine Ehe eine Fehler war. Wer aufpasst, entdeckt in diesen tragischen Absonderlichkeiten wieder finnische Coverversionen, diesmal von »I Wanna Be Loved By You«, »Sixteen Tons« oder »Heartaches«, umrankt von romantischem Balladentum und nordisch-sprödem Humor. (peb)